Circular Electronics Day

24.01.2020

Der Circular Electronics Day zielt darauf ab, die Lebensdauer von Elektronikgeräten zu verlängern und Elektroabfall zu vermeiden. Wir sprechen mit Shift-Geschäftsführer Samuel Waldeck über innovative Geräte und neue Forschungsprojekte.

Am 24. Januar 2020 findet zum 3. Mal der Circular Electronics Day statt, der darauf abzielt, die Lebensdauer von Elektronikgeräten zu verlängern und so zu einer nachhaltigeren Zukunft beizutragen.
Im vergangenen Jahr fielen weltweit rund 50 Millionen Tonnen Elektroschrott an; Müll, der neben gefährlichen und umweltschädlichen Stoffen auch wertvolle Metalle und Mineralien enthält, endliche Rohstoffe, die zumeist gut recycelbar wären und dann den erneuten Abbau substituieren könnten.
Unsere heutigen Umweltprobleme wurzeln auf einer linearen Wirtschaft: Rohstoffe abbauen, Produkte herstellen und nach kurzer Nutzungszeit wegwerfen.
Das Konzept der Circular Economy endet nicht beim Wegwerfen, sondern sieht in ausrangierten Produkten ein weiteres Rohstofflager, das es urbar zu machen gilt. Zuvor jedoch gibt es noch etliche Möglichkeiten, die Nutzungsdauer von Elektronikgeräten zu verlängern.

Wir sprechen mit Samuel Waldeck, Geschäftsführer der Shift GmbH, die mit dem Shiftphone ein modulares Smartphone auf den Markt gebracht haben und aktuell mit dem SHIFTmu das erste universelle All-in-One-Device der Computergeschichte ankündigen.

 

Das Shiftphone gilt als nachhaltiges Smartphone, das aber auch erst einmal Neuware ist, die produziert werden muss. Trotzdem kommuniziert ihr Ressourcenschonung gegenüber der herkömmlichen PC-/Smartphone-Nutzung. Wie macht ihr das?

Samuel Waldeck: Sehr viel Ressourcenschonung erreichen wir bspw. durch unsere eigene Manufaktur im chinesischen Hangzhou. Sämtliche Komponenten technologischer Produkte werden im asiatischen Raum gefertigt. Diese alle einzeln nach Deutschland zu verschicken, nur um hier dann die Endmontage durchzuführen, würde ungleich mehr Verpackungsmüll und CO2-Emissionen bedeuten. So sammeln wir die einzelnen Komponenten auf kurzen Wegen vor Ort, fertigen das finale Produkt und schicken dieses dann kompakt in einer Lieferung nach Falkenberg.

Auch muss ein neuwertiges Shiftphone nicht zwingend aus neuen Materialien bestehen. Kunststoffteile alter und defekter Geräte wie Backcover oder auch Bumper geben wir zurück in die Produktion, um aus ihnen neue Komponenten herstellen zu können.

Das SHIFTmu soll als Universal-Computing-Device in Sachen Ressourcenschonung nochmal einen großen Schritt nach vorne gehen und – so hoffen wir – Innovationsgeber sein. Wir sind umgeben von einer Vielzahl von Computern und Devices: Smartphones, Tablets, Notebooks, Detachables, Desktops, Smart-TVs, digitale Assistenten und viele mehr. All diese Geräte sind (derzeit noch) mit leistungsstarker und daher auch kostenintensiver Hardware ausgestattet, die mit hohem Aufwand und unter Verwendung wertvoller Ressourcen produziert werden muss. Mit dem SHIFTmu benötigt der Anwender nur noch eine leistungsstarke und intelligente Basis, die er um gewünschte Use-Cases erweitern und dank unseres modularen Designansatzes selbst und kostengünstig reparieren kann. Damit lassen sich Produktionsumfänge deutlich reduzieren und es fällt weniger Müll und Elektroschrott an. Weitere Informationen zum SHIFTmu finden sich in unserem Blog

Shiftphone gilt als deutsche Alternative zum Fairphone. Wie fair seid ihr? Wie fair kann man in der Elektronikbranche überhaupt sein?

Samuel Waldeck: Das ist eine spannende Frage. Die Herstellung eines fairen Smartphones ist – nach unserem Ermessen – zum gegenwärtigen Zeitpunkt (noch) nicht zu 100 % möglich. Das ist allerdings keine Rechtfertigung dafür den Kopf in den Sand zu stecken, sondern bedeutet schlichtweg, dass viel Recherchearbeit, Geduld, Einflussnahme und Kontaktarbeit erforderlich ist, um sich dem Ziel eines fairen Technologieprodukts bestmöglich anzunähern. Aus unserem aktuellen Wirkungsbericht geht hervor, dass wir in den vergangenen Jahren bereits sehr viel erreicht haben. Wir definieren uns weniger über den Begriff ‚fair‘, als über das Wort ‚Wertschätzung‘. Es ist uns wichtig, Kunden, Mitarbeitern, Partnern und natürlich auch unserer Umwelt wertschätzend, achtsam und rücksichtsvoll entgegenzutreten. Diese Grundeinstellung hilft uns tagtäglich dabei unsere Geräte in Sachen Fairness und Nachhaltigkeit weiter zu optimieren.

Ein sehr wichtiger Schritt für uns in Sachen Fairness, ist bspw. der Aufbau unserer eigenen Technologie-Manufaktur im chinesischen Hangzhou gewesen. Hier sind etwa 10 Mitarbeiter mit der Endmontage unserer Shiftphones beschäftigt. Da es sich um unser eigenes Unternehmen handelt, können wir für Arbeitsbedingungen sorgen zu denen wir selbst (hier in Deutschland) auch gerne arbeiten möchten. Dazu gehören geregelte Arbeitszeiten, eine 40-Stunden-Woche, umfassende Versicherungsmaßnahmen, eine familiäre Atmosphäre oder auch ein angenehmes Büro-Klima. Bedingungen, die für chinesische Verhältnisse eher untypisch sind. (Auf YouTube findet sich ein Beitrag des Galileo-Magazins, in dem die Atmosphäre in unserer Manufaktur schön eingefangen wird:

Carsten hatte im September die Möglichkeit, vor dem IFA+ Summit-Publikum zu sprechen. Der Titel des Beitrags lautete "Shift happens! From Dataism to Valuism - Running a Social Business in a highly competitive Market." - Unsere Produkte werden im Vortrag eher nebensächlich behandelt. Vielmehr geht es um das Verstehen unserer Zeit, der Veränderungen auf die wir uns zu bewegen und wie Wirtschaften in diesem Kontext weise und verändernd funktionieren sollte.

In diesem Beitrag kommt sehr gut zum Ausdruck, was wir unter Wertschätzung und einem fairen Umgang miteinander verstehen:

Welche Möglichkeiten haben Kunden und Verbraucher, um den Elektronikmarkt nachhaltiger zu gestalten?

Samuel Waldeck: Gerade im Elektroniksegment sollte man bewusste Kaufentscheidungen treffen. Brauche ich dieses Gerät wirklich? Kann ich es selbst reparieren bzw. reparieren lassen, falls es kaputt geht? Benötige ich das Gerät permanent und muss ich mir daher tatsächlich selbst eines zulegen oder lässt es sich für den gelegentlichen Gebrauch auch in der Nachbarschaft ausleihen? Kann ich die Anschaffung vielleicht mit anderen teilen? Langlebigkeit und gute Reparaturmöglichkeiten wären meine Empfehlungen für einen nachhaltigen Konsum elektronischer Produkte.

Welche Möglichkeiten haben Kunden und Verbraucher, die Smartphones, die sie besitzen, möglichst lange und zirkulär zu nutzen?

Samuel Waldeck: Häufige Nutzung führt zu einem schnelleren Verschleiß. Das kennen wir nicht nur von Smartphones sondern auch von anderen Produkten wie Autos oder Haushaltsgeräten. Gerade wenn Smartphones verbacken oder verklebt sind und man den Akku nur in Verbindung mit hohen Kosten oder unter der Gefahr das Gerät zu beschädigen tauschen kann, empfiehlt sich ein schonender Umgang mit dem Gerät. Steht der Kauf eines neuen Smartphones an, kann man über die Anschaffung eines Second-Life-Gerätes zur Ressourcenschonung nachdenken. Außerdem würde ich unbedingt die einfache Austauschbarkeit des Akkus als Kriterium in meine Kaufentscheidung mit einbeziehen. Oft ist es die nach zwei Jahren stark nachlassende Leistung des Akkus, die die Konsumenten zu einem neueren Gerät bewegt. Auch wenn dieses nur unwesentlich besser ist, als das, was man sich vor wenigen Monaten erst zugelegt hat.
 

Wie viele Circular Electronics Days werden wir noch brauchen, bis es ein zirkuläres Smartphone geben wird?

Samuel Waldeck: Nach unserem Kenntnisstand wurde bislang kein Shiftphone über den Hausmüll oder anderweitig falsch entsorgt. Auch mit unserem Gerätepfand animieren wir unsere Kunden, ihr SHIFTPHONE nach Ende der Laufzeit zu uns zurückzuschicken. Wir denken und handeln sehr Kreislauf orientiert. Defekte und alte Geräte kommen zu uns zurück, werden reaktiviert und als Second-Life-Geräte weiterverwendet oder – falls nicht mehr reparierbar – in ihre Einzelteile zerlegt. Kunststoffteile geben wir zurück in die Produktion. Aus alten Backcovern und Bumpern können neue erstellt werden. Elektronische Bestandteile, Platinen und Antennen lassen sich ebenfalls weiterverwenden. Dank unseres modularen Designs sind diese einzelnen Komponenten sehr gut zu erreichen. Auch Verpackungseinheiten werden gesammelt und gehen entweder an die Zulieferer zurück oder werden intern weiter verwendet. Nicht selten erhält ein Kunde sein repariertes SHIFTPHONE in einem alten Cornflakes-Karton oder einer anderen bereits verwendeten Verpackung zurück.

Gemeinsam mit euch (AfB), dem Fraunhofer IZM, der TU Berlin und dem CSM der Leuphana Universität arbeiten wir im transdisziplinären Forschungsprojekt MoDeSt (Produktzirkularität durch modulares Design – Strategien für langlebige Smartphones) an weiteren Strategien zur Förderung langlebiger Smartphones. Auch in diesem Rahmen erarbeiten wir neue Lösungsansätze zur weiteren Kreislauffähigkeit unserer Produkte.

Insofern liegt ein zirkuläres Smartphone gar nicht mal in so weiter Ferne. Eher fehlt es an einer Sensibilisierung für zirkuläre Produkte auf Seiten der Konsumenten. Um hier mehr Aufmerksamkeit zu erzielen und dadurch auch mehr Unterstützung für Kreislauf denkende Unternehmen zu erreichen, sind Veranstaltungen wie die Circular Electronics Days enorm wichtig.

Vielen Dank!

 

 

 

 

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