Interview: Stand der Digitalisierung in Schulen
Mitte September hat auch in den letzten Bundesländern das neue Schuljahr begonnen. Zeit für ein Interview mit Andre Kalnin aus dem Team afb digital education über die Lage der Digitalisierung in den Schulen in Deutschland.
Wie bewerten Schulen heute ihren Stand der Digitalisierung im Vergleich zu früher?
Die meisten Schulen sind heute deutlich besser aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Geräte, WLAN und digitale Lernplattformen gehören vielerorts bereits zum Schulalltag. Gleichzeitig ist die Digitalisierung an vielen Stellen noch nicht abgeschlossen. Viele Schulen stellen fest, dass die technische Ausstattung zwar vorhanden ist, die nachhaltige Nutzung im Unterricht aber weiterhin Herausforderungen mit sich bringt.
Wo sehen Schulen derzeit die größten Herausforderungen bei der Digitalisierung?
Die größten Herausforderungen liegen heute weniger in der Beschaffung von Geräten als in deren langfristiger und nachhaltiger Nutzung. Dazu gehören zuverlässiger IT-Support, Wartung, Datenschutz, Medienbildung sowie die kontinuierliche Qualifizierung der Lehrkräfte. Gleichzeitig müssen Schulen finanziell und organisatorisch vorausschauend planen, damit digitale Lösungen langfristig funktionieren und nicht nach wenigen Jahren ersetzt werden müssen. Digitalisierung ist heute vor allem eine Frage nachhaltiger Prozesse und Strukturen.
Welche digitalen Lösungen oder Technologien stehen derzeit besonders im Fokus von Schulen?
Neben Tablets und Notebooks stehen derzeit vor allem Lernplattformen, Kollaborationstools, Mobile-Device-Management-Lösungen und digitale Unterrichtswerkzeuge im Mittelpunkt. Darüber hinaus wächst das Interesse an KI-Anwendungen, digitalen Assistenzsystemen und Lösungen zur individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig achten viele Schulträger stärker auf Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Die Frage lautet zunehmend nicht nur, welche Technologie eingesetzt wird, sondern auch, wie sie langfristig sinnvoll betrieben werden kann.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz aktuell in Gesprächen mit Schulen?
KI hat sich in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Gesprächsthemen entwickelt.
Schulen beschäftigen sich intensiv mit den Chancen für individuelles Lernen, die Unterrichtsvorbereitung und die Entlastung der Lehrkräfte.
Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf an Orientierung. Fragen zu Datenschutz, Kompetenzentwicklung und sinnvollen Einsatzszenarien stehen dabei im Vordergrund. KI sollte nicht als Selbstzweck betrachtet werden, sondern dort eingesetzt werden, wo sie pädagogischen Mehrwert schafft und Lernprozesse sinnvoll unterstützt.
Welche Erfolgsfaktoren unterscheiden besonders erfolgreiche Digitalisierungsprojekte von weniger erfolgreichen?
Erfolgreiche Projekte verfolgen eine klare Strategie und orientieren sich an den pädagogischen Zielen der Schule. Entscheidend sind klare Verantwortlichkeiten, ein realistischer Umsetzungsplan und die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten. Besonders erfolgreich sind Schulen, die Digitalisierung als langfristigen Veränderungsprozess verstehen und dabei Technik, Qualifizierung, Support und Akzeptanz gleichermaßen berücksichtigen. Geräte allein machen noch keine digitale Schule.
Welche Rolle spielen Fortbildungen für Lehrkräfte bei der erfolgreichen Nutzung digitaler Werkzeuge?
Fortbildungen sind einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Lehrkräfte müssen nicht nur wissen, wie digitale Werkzeuge technisch funktionieren, sondern auch, wie sie diese didaktisch sinnvoll einsetzen können. Die größte Wirkung entsteht, wenn Technik, Methodik und konkrete Praxisbeispiele miteinander verbunden werden. Besonders erfolgreich sind Fortbildungsangebote, die Technik, Didaktik und konkrete Unterrichtspraxis miteinander verbinden. Nur so kann Digitalisierung nachhaltig im Unterricht verankert werden und einen echten Mehrwert für Lehrende und Lernende schaffen.
Wie gelingt es Schulen, digitale Werkzeuge sinnvoll in den Unterricht zu integrieren und nicht nur technisch bereitzustellen?
Digitale Werkzeuge sollten immer einem konkreten Lernziel dienen und nicht eingesetzt werden, weil sie verfügbar sind.
Der entscheidende Ansatz lautet: Pädagogik vor Technik.
Erfolgreiche Schulen beginnen mit klar definierten Unterrichtszielen, testen neue Lösungen schrittweise und schaffen Raum für Austausch im Kollegium. So entsteht eine nachhaltige digitale Lernkultur, die über die reine Geräteausstattung hinausgeht und echten Mehrwert für den Unterricht schafft.
Welche Rolle spielen Inklusion und digitale Teilhabe bei der Digitalisierung von Schulen?
Digitale Bildung sollte allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen zugänglich sein. Deshalb gewinnen Inklusion und digitale Teilhabe zunehmend an Bedeutung. Richtig eingesetzt können digitale Werkzeuge individuelle Lernwege unterstützen, Barrieren abbauen und unterschiedliche Lernvoraussetzungen besser berücksichtigen. Erfolgreiche Digitalisierung bedeutet deshalb nicht nur moderne Technik, sondern auch die Chance, Bildung gerechter, inklusiver und für alle zugänglich zu gestalten. Dieser Gedanke sollte bei jeder Digitalisierungsstrategie von Anfang an mitgedacht werden.
Welche Bedeutung haben aktuelle und zukünftige Förderprogramme wie der Digitalpakt 2.0 für die Digitalisierung an Schulen?
Förderprogramme wie der Digitalpakt haben in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen, die technische Grundausstattung vieler Schulen zu verbessern. Zukünftige Förderprogramme werden vor allem dann nachhaltig wirken, wenn sie ganzheitliche Konzepte unterstützen. Schulen benötigen Lösungen, die pädagogische Ziele, technische Ausstattung, Qualifizierung und langfristige Betreuung miteinander verbinden. Gleichzeitig gewinnen bei Ausschreibungen neben wirtschaftlichen Aspekten auch Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zunehmend an Bedeutung.
Wie können Schulen eine 1:1-Ausstattung nachhaltig und sozial verträglich finanzieren?
Die Finanzierung digitaler Endgeräte ist für viele Schulen und Schulträger eine zentrale Herausforderung. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt. Je nach Ausgangssituation kommen unterschiedliche Modelle infrage, beispielsweise die vollständige Finanzierung durch den Schulträger durch Miete oder Kauf, alternativ Elternfinanzierungsmodelle. Wichtig ist dabei vor allem, dass digitale Bildung nicht von den finanziellen Möglichkeiten einzelner Familien abhängt. Ein wichtiger Baustein bei afb ist daher der Bildungsfonds, der Familien Unterstützung ermöglicht, wenn die Anschaffung eines digitalen Endgeräts eine finanzielle Hürde darstellt.
Welche Anforderungen stellen Schulen heute an ihre Digitalisierungspartner und warum werden ganzheitliche 360-Grad-Konzepte immer wichtiger?
Schulen wünschen sich heute Partner, die weit mehr leisten als die Bereitstellung von Hardware. Gefragt sind Beratung, bedarfsgerechte Ausstattung, Fortbildung, Support und eine langfristige Begleitung im Schulalltag. Genau deshalb gewinnen ganzheitliche 360-Grad-Konzepte an Bedeutung. Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein Veränderungsprozess. Erfolgreich ist er nur dann, wenn alle Beteiligten mitgenommen werden: Schulleitung, Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Schulträger und Eltern.
Welche Empfehlungen würdest du Schulen geben, die ihre Digitalisierung jetzt gezielt vorantreiben möchten?
- Eine ehrliche Bestandsaufnahme durchführen.
- Digitalisierung konsequent an pädagogischen Zielen ausrichten.
- Verantwortlichkeiten klar definieren.
- Fortbildung von Anfang an mitdenken.
- Klein starten und erfolgreiche Ansätze schrittweise ausbauen.
- Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern aktiv einbinden.
- Support, Gerätemanagement und Wartung langfristig planen.
- Fördermittel strategisch und nachhaltig einsetzen.
- Inklusion und digitale Teilhabe als festen Bestandteil der Digitalisierungsstrategie berücksichtigen.
- Auf Partner setzen, die Beratung, Ausstattung, Fortbildung, Service und nachhaltige Rückführung aus einer Hand anbieten.
Mein wichtigster Rat: Digitalisierung gelingt nicht durch Geräte allein. Entscheidend sind Menschen, die den Wandel gestalten, und Partner, die Schulen dabei langfristig begleiten. Wer Technik, Pädagogik, Nachhaltigkeit und Inklusion zusammendenkt und alle Beteiligten frühzeitig mitnimmt, schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Dabei geht es nicht darum, die digitalste Schule zu sein, sondern die Digitalisierung sinnvoll und wirksam für den Lernerfolg einzusetzen.
afb digital education
afb digital education begleitet Schulen ganzheitlich auf ihrem Weg der Digitalisierung. Als langfristiger Partner unterstützt das Team von der Beratung und Geräteeinführung bis hin zu Fortbildungen und dem laufenden Betrieb. Dabei verbindet afb digital education praxisnahe Unterstützung mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung, indem ressourcenschonende IT-Nutzung und die Wiederaufbereitung von Geräten durch ein Inklusionsunternehmen gefördert werden.
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