Inklusiv Schreiben in einfacher und Leichter Sprache

Barrierefreie Kommunikation ist längst kein Nischenthema mehr. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Informationen so bereitzustellen, dass möglichst viele Menschen sie verstehen können. Die sprachlichen Werkzeuge hierfür sind einfache Sprache und Leichte Sprache. Beide Ansätze fördern Teilhabe und Inklusion, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele und richten sich an verschiedene Zielgruppen.

Für alle, die im Unternehmen nach innen oder außen kommunizieren, seien es Inklusionsbeauftragte, Personalabteilungen oder Kommunikations- und Marketingabteilungen, lohnt es sich daher, die Unterschiede zu kennen und gezielt einzusetzen.

Warum inklusive Sprache wichtig ist

Inklusive Sprache spielt sowohl in der internen als auch in der externen Kommunikation eine wichtige Rolle. Zu komplexe Texte können dazu führen, dass Informationen nicht bei allen Mitarbeitenden, Bewerbenden oder Kundinnen und Kunden ankommen.

Besonders auf Unternehmenswebsites, Karriereportalen, in Formularen oder Kundeninformationen hilft verständliche Sprache dabei, Barrieren abzubauen und Informationen für mehr Menschen zugänglich zu machen.

Eine verständliche Sprache hilft unter anderem:

  • Menschen mit Lernschwierigkeiten
  • Menschen mit Gehörlosigkeit
  • Personen mit kognitiven Einschränkungen
  • Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist
  • Mitarbeitenden mit geringer Leseerfahrung, Analphabetismus oder Legasthenie
  • Personen, die komplexe Inhalte schnell erfassen möchten

Verständliche Texte verbessern nicht nur die Zugänglichkeit, sondern steigern auch die Akzeptanz, Reichweite und Wirksamkeit der Kommunikation. Unternehmen zeigen damit zudem, dass Inklusion und Teilhabe nicht nur intern gelebt, sondern auch gegenüber Kund:innen und potenziellen Bewerber:innen aktiv umgesetzt werden.

Was ist einfache Sprache?

Einfache Sprache reduziert sprachliche Hürden, ohne den Inhalt stark zu vereinfachen. Sie richtet sich an ein breites Publikum und wird häufig in der Unternehmenskommunikation eingesetzt.

Typische Merkmale sind:

  • kurze und klare Sätze
  • geläufige Wörter
  • aktive Formulierungen
  • logischer Aufbau
  • Verzicht auf unnötiges Fachvokabular

Standardsprache:

Bitte beachten Sie die aktualisierten Bestimmungen zur Beantragung von Fortbildungsmaßnahmen.

Einfache Sprache:

Bitte beachten Sie die neuen Regeln für die Anmeldung zu Weiterbildungen.

Was ist Leichte Sprache?

Leichte Sprache folgt festen Regelwerken und ist deutlich stärker vereinfacht. Sie wurde speziell entwickelt, um Menschen der oben genannten Zielgruppen Zugang zu Informationen zu ermöglichen.

Merkmale der Leichten Sprache sind unter anderem:

  • sehr kurze Sätze
  • nur eine Aussage pro Satz
  • einfache Wörter
  • Verzicht auf Fremdwörter
  • häufige Wiederholungen wichtiger Begriffe
  • zusätzliche Erklärungen für schwierige Inhalte
  • unterstützende Bilder oder Piktogramme
  • Verzicht auf Serifen- und Kursivschrift

Leichte Sprache:

Sie möchten eine Weiterbildung machen.
Dafür gibt es neue Regeln.
Bitte lesen Sie die Regeln.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

AspektEinfache SpracheLeichte Sprache
ZielgruppeBreite Öffentlichkeit, Mitarbeitende, Menschen mit SprachbarrierenSiehe oben genannte Zielgruppe
SatzlängeKurz bis mittellangSehr kurz
WortwahlAlltagssprache, wenige FachbegriffeSehr einfache Wörter
Inhaltliche TiefeWeitgehend vollständigAuf die wesentlichen Informationen reduziert und erklärend
GrammatikVereinfachte StandardspracheStark vereinfachte Grammatik
FremdwörterMöglich, wenn erklärtMöglichst vermeiden
AbsätzeNormale AbsatzgestaltungEin Satz pro Zeile
RegelwerkEmpfehlungen zur VerständlichkeitFeste Regelwerke
BilderOptionalHäufig empfohlen oder erforderlich

Welche Variante eignet sich für Unternehmen?

Für die meisten internen und externen Unternehmensinformationen ist einfache Sprache der praktikabelste Ansatz. Sie verbessert die Verständlichkeit für viele Menschen, ohne Inhalte wesentlich zu verkürzen.

Leichte Sprache ist insbesondere dann sinnvoll, wenn Unternehmen Informationen gezielt für z.B. Menschen mit geistigen Behinderungen, Lernschwierigkeiten oder Gehörlosigkeit bereitstellen müssen. Beispiele sind:

  • Stellenanzeigen für inklusive Arbeitsplätze
  • Informationen zum Bewerbungsprozess
  • Betriebsvereinbarungen
  • Schulungsunterlagen
  • Informationen nach gesetzlichen Anforderungen zur Barrierefreiheit

Oft empfiehlt sich ein mehrstufiger Ansatz: Zunächst wird ein Text in einfacher Sprache erstellt. Für ausgewählte Zielgruppen kann anschließend zusätzlich eine Version in Leichter Sprache angeboten werden.

Einzige Ausnahme, in der Leichte Sprache nicht direkt möglich ist: Texte mit rechtlicher Absicherung sind in Leichter Sprache nicht adäquat abbildbar, da einige Formulierungen zwingend vorgegeben sind und nicht verständlicher ausgedrückt werden können/dürfen. Man kann Leichte Sprache aber natürlich verwenden, um rechtliche Texte zu erklären.

Automatische Übersetzungstools: Unterstützung mit Grenzen

Künstliche Intelligenz und spezialisierte Software können dabei helfen, bestehende Texte in einfache oder Leichte Sprache zu übertragen. Für Websites gibt es außerdem Plugins, die die Texte der Seite automatisch umformulieren.

Diese Werkzeuge können den Aufwand deutlich reduzieren und erste Entwürfe erstellen. Dennoch sollten insbesondere Texte in Leichter Sprache immer von geschulten Personen aus der Zielgruppe geprüft werden. Automatische Systeme erkennen nicht in jedem Fall, ob ein Text tatsächlich den Anforderungen der Zielgruppe entspricht.

Fazit

Einfache und Leichte Sprache sind wichtige Instrumente für eine inklusive Unternehmenskommunikation. Während einfache Sprache für die meisten Kommunikationsaufgaben geeignet ist, ermöglicht Leichte Sprache Menschen mit besonderen Unterstützungsbedarfen den Zugang zu wesentlichen Informationen.

Unternehmen, die beide Ansätze gezielt einsetzen, stärken nicht nur ihre Barrierefreiheit, sondern fördern auch Verständlichkeit, Teilhabe und Chancengleichheit für alle Mitarbeitenden.

Weiterführende Informationen

https://www.bpb.de/lernen/inklusiv-politisch-bilden/216350/einfache-sprache-leichte-sprache/

https://www.bmas.de/DE/Soziales/Teilhabe-und-Inklusion/Leichte-Sprache-anwenden/leichte-sprache-anwenden.html

https://portaleinfach.org/

https://www.aktion-mensch.de/ueber-uns/das-treibt-uns-an/was-ist-inklusion/leichte-sprache

https://www.netzwerk-leichte-sprache.de/ls/