Warum IT-Beschaffung jetzt mehr Spielraum braucht
Michael Smetana von HP Österreich über Speicherengpässe, KI-Nachfrage und planbare Business-IT.
Herstellerperspektive auf einen angespannten IT-Markt
Michael Smetana ist seit mehr als 30 Jahren bei HP tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche regionale und globale Führungspositionen übernommen. Heute verantwortet er als Managing Director HP Österreich das lokale Geschäft des gesamten HP-Produkt- und Dienstleistungsangebots und begleitet Kund:innen und Partner:innen bei digitaler Transformation und modernen Arbeitsplatzkonzepten.
Im Interview spricht er über die aktuelle Entwicklung am IT-Markt: über Chip- und Speicherengpässe, steigende Komponentenpreise, KI-getriebene Nachfrage und die Frage, wie Unternehmen ihre Business-IT jetzt planbarer aufstellen können.
Foto: © HP Österreich
Warum das Thema jetzt an Dringlichkeit gewinnt
Die Einschätzungen von Michael Smetana stehen im Kontext einer deutlich angespannten Marktlage. Der globale Ausbau von KI-Infrastruktur treibt die Nachfrage nach Rechenzentren, Chips und Speicherkomponenten stark an. Data Center Knowledge berichtet unter Bezug auf Bloomberg, dass Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft für 2026 zusammen Investitionen von rund 650 Milliarden US-Dollar für neue Rechenzentren und die darin verbaute Infrastruktur planen.
Auch der Zeithorizont spricht gegen eine schnelle Entspannung. TrendForce verweist auf Reuters-Berichterstattung, wonach SK Group Chairman Chey Tae-won einen globalen Wafer-Engpass aufgrund der starken KI-Nachfrage bis 2030 für möglich hält. Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten könne vier bis fünf Jahre dauern.
Vor diesem Hintergrund ordnet Michael Smetana ein, was die Entwicklung für Business-IT, Speicherkomponenten, Rolloutplanung und datenbasiertes Flottenmanagement bedeutet.
Herr Smetana, viele Unternehmen beschäftigen sich erneut mit unsicheren Lieferzeiten, steigenden Komponentenpreisen und veränderter Verfügbarkeit. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung im IT-Markt aus Sicht von HP Österreich?
Der massive globale Ausbau von KI-Rechenzentren wirkt sich spürbar auf den IT-Markt aus. Besonders betroffen sind Speicherkomponenten wie Hauptspeicher und SSDs, teilweise auch Prozessoren und weitere wichtige Bauteile. Für Unternehmen bedeutet das: Lieferzeiten werden länger, Verfügbarkeiten schwanken stärker und die Kosten steigen. Besonders bei DRAM sehen wir sehr starke Preisbewegungen. Aus unseren globalen Daten ergibt sich in diesem Bereich eine Preissteigerung bis zum 7-Fachen.
Diese Entwicklung betrifft Österreich, den gesamten DACH-Raum und Europa. Komponentenpreise, Lieferketten und Speicherverfügbarkeit orientieren sich an globalen Märkten. Unternehmen sollten sich deshalb darauf einstellen, Beschaffung, Rollouts und Geräteaustausch früher und flexibler zu planen.
Besonders Speicherkomponenten stehen aktuell im Fokus. Welche Rolle spielen DRAM, NAND Flash, SSDs und die starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur für die derzeitige Marktsituation?
Speicherkomponenten stecken in sehr vielen Geräten: in Smartphones, PCs, Notebooks, Servern, Netzwerkkomponenten und vielen weiteren digitalen Systemen. Wenn sich die Nachfrage in einem großen Marktsegment stark verändert, wirkt sich das schnell auf andere Bereiche aus.
Aktuell konzentrieren sich viele Hersteller stärker auf High Bandwidth Memory, weil dieser Speicher für KI-Rechenzentren eine zentrale Rolle spielt. Der DRAM-Markt ist stark konzentriert. Samsung, SK hynix und Micron decken gemeinsam den größten Teil des weltweiten Marktes ab. Wenn diese Anbieter Kapazitäten stärker auf HBM und Serveranwendungen ausrichten, geraten klassische DRAM-Module zusätzlich unter Druck. Gleichzeitig fließen enorme Investitionen in KI-Rechenzentren. Marktberichte sprechen für 2026 von Investitionen großer Technologieunternehmen in einer Größenordnung von rund 650 Milliarden US-Dollar, teils sogar darüber. Diese Summen zeigen, welche Dimension die Nachfrage nach Infrastruktur, Chips und Speicher inzwischen erreicht.
Das führt dazu, dass bestimmte Speicherkonfigurationen schwerer verfügbar sind. Besonders bei höheren Kapazitäten sehen Unternehmen derzeit deutlich mehr Planungsunsicherheit. 32-GB-Konfigurationen sind aktuell nur sehr eingeschränkt verfügbar. In vielen Fällen bleibt praktisch 16 GB als verfügbare Standardkonfiguration.
Was bedeutet diese Entwicklung konkret für Business-IT, etwa bei Notebooks, PCs, Workstations und mobilen Geräten?
Die Entwicklung wirkt sich direkt auf Business-Hardware aus. Speicherkomponenten machen inzwischen einen erheblichen Teil der Gesamtkosten aus. Wenn diese Komponenten teurer werden oder schwerer verfügbar sind, spüren Unternehmen das bei Notebooks, Workstations und mobilen Geräten sehr schnell. Die Folge sind steigende Preise, schwankende Verfügbarkeit und schwierigere Planung. Klassische Rollout-Zyklen lassen sich dadurch schwerer kalkulieren. Einige Unternehmen bestellen früher oder sichern sich verfügbare Ware, andere verschieben Projekte und hoffen auf eine Entspannung.
Aus meiner Sicht wird genau das zum Risiko: Wer zu lange wartet, kann später vor noch schwierigeren Verfügbarkeiten oder höheren Kosten stehen.
Viele IT-Abteilungen planen Budgets und Rollouts lange im Voraus. Was sollten Unternehmen jetzt beachten, wenn Komponentenpreise steigen oder Angebote volatiler werden?
Unternehmen sollten ihre Planungsprozesse deutlich flexibler aufstellen. Beschaffung orientiert sich heute stärker an Verfügbarkeit, Lieferzeit und realem Bedarf. Starre Zeitpläne reichen dafür oft nicht mehr aus.
Ich würde Unternehmen empfehlen, Projekte nicht unnötig zu verschieben. Wer weiß, dass ein Austausch kritischer Geräte ansteht, sollte frühzeitig planen und Beschaffungsvorgänge rechtzeitig starten. Das gilt besonders für Organisationen mit kritischer Infrastruktur oder hohen Anforderungen an Verfügbarkeit und Sicherheit.
Wichtig ist außerdem eine genauere Differenzierung der Nutzergruppen. Nicht jede Person im Unternehmen benötigt dieselbe Geräteklasse. Datenbasierte Analysen aktueller Nutzungsdaten können helfen, Rollouts genauer auf den tatsächlichen Bedarf abzustimmen und Kosten besser zu steuern.
Aus heutiger Sicht sollten Unternehmen nicht mit einer schnellen Entspannung rechnen. Zusätzliche Produktionskapazitäten entstehen nicht kurzfristig. Deshalb kann die aktuelle Marktlage über einen längeren Zeitraum herausfordernd bleiben.
Gartner, ein internationaler Technologie-Research- und Beratungsanbieter, erwartet, dass Business-Käufer:innen PCs länger nutzen. Gleichzeitig müssen Unternehmen entscheiden, welche Geräte sie neu beschaffen, länger einsetzen oder anders planen. Wie können IT-Verantwortliche ihre Bedarfe sinnvoll priorisieren?
Eine längere Nutzungsdauer kann aus Nachhaltigkeitsperspektive sinnvoll sein und Ressourcen effizienter nutzen. Gleichzeitig müssen Unternehmen genau prüfen, welche Geräte sich für welchen Einsatz weiterhin eignen. Nicht jeder Arbeitsplatz stellt dieselben Anforderungen. Einige Nutzergruppen brauchen hohe Performance, moderne Sicherheitsfunktionen oder leistungsfähige Systeme für neue Anwendungen. Andere können mit vorhandener Hardware länger produktiv arbeiten, wenn diese technisch zuverlässig bleibt und sauber gemanagt wird.
Ältere Geräte können Sicherheitsrisiken erhöhen, modernen Performance-Anforderungen nicht mehr vollständig gerecht werden oder die Produktivität beeinträchtigen. Das gilt besonders, wenn neue Anwendungen, KI-Funktionen oder höhere Anforderungen an Zusammenarbeit und Mobilität hinzukommen.
Entscheidend ist deshalb ein gutes Gleichgewicht: Unternehmen sollten Nutzungsdauer verlängern, wo es sinnvoll ist, aber klare Einsatzszenarien, Sicherheitsstandards und Refresh-Zyklen definieren. Längere Nutzung funktioniert am besten, wenn sie aktiv gemanagt und anhand realer Bedarfe gesteuert wird.
Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht flexible Lifecycle-Modelle, strukturierte Gerätepools und ein aktiveres Flottenmanagement, um Beschaffung robuster zu machen?
Flexible Lifecycle-Modelle werden deutlich wichtiger. Unternehmen brauchen heute mehr Transparenz über ihre Geräteflotten: Welche Geräte sind im Einsatz? Welche Geräte erfüllen ihren Zweck noch gut? Wo entstehen Risiken? Und wo lohnt sich ein gezielter Austausch?
Datengetriebenes Flottenmanagement hilft, starre Austauschzyklen durch bedarfsgerechtere Entscheidungen zu ersetzen. Unternehmen können dadurch früher erkennen, welche Geräte kritisch werden, welche Nutzergruppen besondere Anforderungen haben und wo sich Kosten optimieren lassen. Hier gewinnen auch Digital-Employee-Experience-Tools, kurz DEX-Tools, an Bedeutung. Sie machen sichtbar, wie Geräte tatsächlich genutzt werden, wo Performance-Probleme entstehen und welche Arbeitsplätze besondere Anforderungen haben. Dadurch können IT-Teams Entscheidungen stärker an realen Nutzungsdaten ausrichten.
Strukturierte Gerätepools ergänzen diesen Ansatz. Wenn Geräte sauber erfasst, bewertet und verfügbar gehalten werden, lassen sich kurzfristige Bedarfe besser abfedern. Gerade in einem angespannten Marktumfeld schafft das mehr Handlungsfähigkeit.
Wenn Sie IT-Verantwortlichen für 2026 eine zentrale Empfehlung geben müssten: Was sollten sie jetzt auf keinen Fall unterschätzen?
Unternehmen sollten 2026 früher planen, flexibler beschaffen und stärker datenbasiert entscheiden. Verfügbarkeit und Kosten bleiben zentrale Themen. Wer erst reagiert, wenn ein Engpass bereits akut ist, verliert wertvolle Zeit.
Mein Rat lautet: Prüfen Sie frühzeitig, welche Geräte in den nächsten Monaten ersetzt werden müssen, welche Nutzergruppen welche Ausstattung wirklich benötigen und welche Alternativen zur klassischen Neubeschaffung sinnvoll sein können. Je transparenter Unternehmen ihre Flotte kennen, desto besser können sie Beschaffung, Budget und Betrieb steuern.