Gemeinsam für Inklusion: Ein Dialog zwischen Pfizer und afb

afb und Pfizer – zwei Unternehmen, die auf den ersten Blick kaum vergleichbar sind.

afb ist ein europaweit agierendes Inklusionsunternehmen und spezialisiert auf Refurbishment gebrauchter IT-Hardware. Pfizer ist ein internationaler Pharmakonzern.

Was beide verbindet: ein klares Engagement für Inklusion von Menschen mit Behinderung – und eine Partnerschaft, die seit rund 20 Jahren besteht.

Ein Gespräch mit Tillmann Henssler, Schwerbehindertenvertreter bei der Pfizer Pharma GmbH am Standort in Berlin, und Sven Nagelsdiek, Inklusionsbeauftragter bei afb.

Pfizer ist ein globaler Konzern, afb ein Inklusionsunternehmen. Was unterscheidet unsere Ausgangslage hinsichtlich Inklusion – und wo ergänzen wir uns?

Tillmann Henssler:

Natürlich sind die Ausgangslagen unterschiedlich. Pfizer ist ein globaler Konzern mit vielen Strukturen, gesetzlichen Vorgaben und internationalen Standards. afb hat als Inklusionsunternehmen eine sehr viel höhere Schwerbehindertenquote, doch auch wir erfüllen die gesetzliche Beschäftigungsquote von fünf Prozent seit vielen Jahren.

Bei uns erleben wir oft, dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Schwerbehinderung erst im Laufe des Berufslebens erwerben – etwa durch Rückenleiden oder onkologische Erkrankungen. Deshalb beschäftigen wir uns stark mit Prävention, Arbeitsplatzgestaltung und individueller Unterstützung.

Bei afb arbeiten natürlich auch schwerstbehinderte Mensch, teils mit höherem Unterstützungsbedarf.

Sven Nagelsdiek:

Das ist richtig, aber auch bei uns gibt es eine sehr große Bandbreite von psychischen, geistigen und körperlichen Behinderungen unterschiedlicher Ausprägung.

Tillmann Henssler, Schwerbehindertenvertreter bei der Pfizer Pharma GmbH.
Beratungsgespräch mit Betriebssozialarbeit
Sven Nagelsdiek, Inklusionsbeauftragter bei afb

Was zählt eigentlich als Behinderung im Unternehmenskontext?

Sven Nagelsdiek:

Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt man als schwerbehindert. Ab 30 ist über die Agentur für Arbeit eine Gleichstellung möglich.

Tillmann Henssler:

Wichtig ist: Ein Großteil von Behinderungen sieht man nicht. Wer über Inklusion spricht, sollte nicht nur an sichtbare Einschränkungen denken, sondern auch an chronische Erkrankungen oder psychische Belastungen.

Was sind eure konkreten Ansätze für gelingende Inklusion?

Sven Nagelsdiek:

Wirklich entscheidend ist Vertrauen und dass es feste Ansprechpersonen gibt.

Tillmann Henssler:

Ja, Menschen legen ihre Behinderung nur offen, wenn sie keine Nachteile befürchten müssen. Wichtig ist, dass Beschäftigte wissen: Wenn sich etwas verändert, unterstützt das Unternehmen.

Sven Nagelsdiek:

Bei uns ist Inklusion natürlich Teil unserer DNA, da wir seit Geburtsstunde ein Inklusionsunternehmen sind. Wir gestalten Arbeitsplätze von Beginn an so, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam erfolgreich arbeiten können.

Dazu gehören barrierefreie Arbeitsumgebungen, individuelle Unterstützung, Qualifizierungsmöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, in der Vielfalt wertgeschätzt wird. Wichtig ist auch, dass es von Anfang an die Möglichkeit gibt, einander kennenzulernen, zum Beispiel durch Praktika.

Tillmann Henssler:

Auch bei uns sind barrierefreie Büros, höhenverstellbare Schreibtische, ergonomische Ausstattung oder technische Hilfsmittel praktische Werkzeuge, um den Arbeitsalltag zu ermöglichen.
Letztlich gelingt Inklusion durch gute Zusammenarbeit. Personalabteilung, Betriebsrat, Schwerbehindertenvertretung und Führungskräfte müssen gemeinsam handeln.

Wir haben bei Pfizer zusätzlich eine Inklusionsvereinbarung, die über gesetzliche Vorgaben hinausgeht. Darin ist beispielsweise festgelegt, dass auch gleichgestellte Mitarbeitende Zusatzurlaub erhalten.

Im Recruiting unterstützen wir Bewerberinnen und Bewerber mit Behinderung frühzeitig. Als Schwerbehindertenvertreter werde ich automatisch informiert, wenn eine Bewerbung einer schwerbehinderten Person eingeht. Auch bei internen Wechseln oder Entfristungen begleiten wir.

afb und Pfizer sind beide im UnternehmensForum engagiert. Welche Rolle spielen Partnerschaften für Inklusion?

Sven Nagelsdiek:

Partnerschaften haben eine starke Signalwirkung. Wenn große Unternehmen wie Pfizer mit afb zusammenarbeiten, zeigt das: Inklusion ist wirtschaftlich relevant, professionell umsetzbar und gesellschaftlich wertvoll.

Tillmann Henssler:

Eine sehr große. Kein Unternehmen löst diese Themen allein. Im UnternehmensForum tauschen wir Erfahrungen aus, lernen voneinander und treiben Dinge gemeinsam voran.  Jedes Mitgliedsunternehmen hat eigene Herausforderungen bei der Inklusion – da hilft es enorm, voneinander zu lernen.

Wir engagieren uns außerdem bei den Special Olympics, eine weitere Gemeinsamkeit mit afb. Außerdem in Volunteer-Programmen, bei „Healthy Athletes“, beim Deutschen Hörfilmpreis. Solche Formate schaffen Sichtbarkeit und bauen Vorurteile ab.

Sven Nagelsdiek:

Ohne Partnerschaften wäre afb niemals zu Europas größtem gemeinnützige IT-Unternehmen herangewachsen. Mit afb unterstützt Pfizer nicht nur Inklusion im eigenen Unternehmen, sondern auch darüber hinaus.

Tillmann, du hast die Partnerschaft von Stunde null miterlebt. Wann hast du gemerkt, dass uns mehr verbindet als gebrauchte Laptops?

Tillmann Henssler:

Sehr früh. Natürlich begann alles mit gebrauchten IT-Geräten. Schnell wurde aber deutlich, dass beide Unternehmen die Relevanz von Inklusion ähnlich verstehen. Es ging nicht nur darum, Hardware sinnvoll weiterzuverwenden, sondern gemeinsam einen echten Beitrag zu schaffen.

Wie hat die Zusammenarbeit begonnen?

Tillmann Henssler:

2006, damals noch in Karlsruhe. Pfizer war vor Ort, afb steckte in den Anfängen. Geräte wurden direkt vor Ort in unserer damaligen Niederlassung in Hagsfeld bearbeitet, vieles lief manuell und sehr pragmatisch.

Was hat sich seitdem am stärksten verändert?

Tillmann Henssler:

Heute läuft alles noch professioneller. Bedarfe werden digital gemeldet, Geräte regelmäßig abgeholt, Prozesse sind transparent und effizient. afb liefert heute genau das, was große Unternehmen brauchen – zuverlässig, sicher und automatisiert.

Damals wusste niemand, ob sich ein inklusives und nachhaltiges IT-Unternehmen in diesem Markt behaupten kann. Es war beeindruckend, mitzuerleben, wie gut es funktioniert hat.