Offenheit als Schlüssel zur Integration

Ob ein Mitarbeiter eine Behinderung hat oder nicht, scheint für Lars Keller keine Rolle zu spielen. Beim Umgang mit seinem Team gilt "Gleiches Recht für alle" - gute Leistungen verdienen gute Chancen. Seit eineinhalb Jahren ist der Betriebswirt Niederlassungsleiter bei AfB Ettlingen. Täglich trägt er die Verantwortung für 65 Mitarbeiter, davon 30 mit einer Schwerbehinderung: „Die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung ist natürlich nicht immer nur einfach. Es ist aber auch weitaus weniger schlimm, als viele denken“. Neben viel Kommunikation und ein wenig Nachsicht gehört Integration zu seinem Arbeitsalltag dazu.

Als ausgebildeter Ergotherapeut hat Lars Keller bereits vor seiner Zeit bei AfB reichlich Erfahrung mit behinderten Menschen gesammelt. Er selbst sieht deshalb keinen Grund, Unterschiede in der Art und Weise zu machen, wie er seinen Mitarbeitern begegnet: „Eine der täglichen Herausforderungen ist es mit Sicherheit, die Bedürfnisse des einzelnen Mitarbeiters und die Anforderungen des wirtschaftlichen Alltags problemlos zu verbinden. Zum Beispiel muss ich dafür sorgen, dass alle Abläufe reibungslos funktionieren.“ Manchmal sei das einem Mitarbeiter aufgrund seiner Behinderung nicht möglich. Diesem müsse er dann mit etwas mehr Verständnis entgegentreten. „Allerdings bringen Mitarbeiter ohne Behinderung auch Probleme mit, nur eben andere.“ Welches Ziel den Niederlassungsleiter persönlich motiviert? Er möchte beweisen, dass auch eine Integrationsfirma erfolgreich am Markt bestehen kann.


Gibt es Schwierigkeiten, die bei der täglichen Zusammenarbeit und Koordination behinderter und nicht-behinderter Menschen auftauchen?

Lars: Insbesondere fehlende Kommunikation bringt Schwierigkeiten mit. Offen zu kommunizieren erleichtert viele Themen bei der Arbeit. In einem Integrationsunternehmen ist diese Offenheit meiner Erfahrung nach viel eher gegeben, als in anderen Betrieben.

Worauf musst du beim Umgang mit Angestellten mit Behinderung achten?

Lars: Auf eine klare Kommunikation. Man muss direkt sagen „Das erwarte ich jetzt von dir“. So muss das Gegenüber nicht erst überlegen, was gemeint sein könnte, und es entstehen weniger Unsicherheiten. Menschen mit Behinderung können Anweisungen dieser Art leichter umsetzen. Sich bei Gesprächen an die jeweilige Person anzupassen, ist aber ebenso wichtig. Hier gibt es für mich jedoch keinen Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Handicap.

Sind deiner Meinung nach viele Vorurteile unberechtigt, wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung anzustellen?

Lars: Viele Vorurteile entstehen aufgrund von Unwissenheit und Ängsten, da vorher noch kein Kontakt mit behinderten Menschen oder Integrationsthemen stattgefunden hat. Man muss eine Aufgabe finden, die für die jeweilige Person machbar ist und dessen Stärken abruft. Menschen kann man nicht an die Aufgabe anpassen, andersherum funktioniert das.

Welchen Tipp würdest du Führungskräften geben, die behinderte Menschen in ihr Unternehmen integrieren wollen?

Lars: Ich würde jedem raten, offen über Können sowie Nicht-Können zu reden und klare Anforderungen zu stellen. Außerdem sollten beide Parteien immer ansprechen, wenn etwas nicht geht und gemeinsam schauen, wie man es verändern kann. Man muss seinen Mitarbeitern Vertrauen entgegenbringen, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht.